Gelungenes Public Private Partnership in Haltern

Freizeitnutzung, Erholung und Naturschutz im Einklang – Surfen gehört zum Konzept

„St. Tropez bei uns am Baggersee“ … so rockten Mitte der 1980er Jahre die Rodgau Monotones. Es klingt, als hätte die Band schon damals den weißen Sandstrand, die Schwimmer, die Taucher und Surfer, das schmucke DLRG-Haus und die sich entwickelnde Gastronomie am „Silbersee II“ in Haltern am See vor Augen gehabt. Doch der Reihe nach: Schon seit 1993 war das Baden am „Silbersee I“ in beschränktem Umfang erlaubt. Dadurch sollte in den Sommermonaten der überbordende illegale Badebetrieb in den Halterner „Silberseen“ in einen legalen Bereich für kühles Badevergnügen umgelenkt werden. 
Halterns Werkleiter Holger Gerling (Bildmitte), links daneben Nikola Krone, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Silbersee II
Werkleiter Holger Gerling beim Testsurfen
Als im Jahr 2005 die Quarzsandgewinnung des Werkes Haltern vom See Haltern-West (Silbersee II) in den See Haltern-Sythen (Silbersee I) umzog,nutzten Kommunen, Quarzwerke und andere private Unternehmen die Gelegenheit.Unter der Federführung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) entwickelten sie ein „Silberseekonzept“, mit dem langfristig Freizeitnutzung, Erholung und Naturschutz an den Aussandungsseen der Quarzwerke in Einklang gebracht werden. Für den Bereich der Freizeitnutzung am Silbersee II wurde eine Betreibergesellschaft, bestehend u.a. aus dem Regionalverband Ruhr,der Stadt Haltern am See und Quarzwerke gegründet. Diese Betreibergesellschaft richtete am Silbersee II einen rund 9 ha großen Badebereich ein. Den Strand aus feinem weißen Halterner Sand legte Quarzwerke an. Toiletten und Umkleidemöglichkeiten wurden gebaut und für eine geordnete An- und Abreise sorgen etwa 1.800 Parkplätze. Die Sicherheit der Badegäste gewährleisten während der Saison ehrenamtliche Rettungsschwimer der DLRG, die für ihre Arbeit eine feste Behausung erhalten haben. In dem durch Bojen abgetrennten Badebereich können auch Sporttaucher ihr Hobby ausüben. Zuletzt kamen Anfang Oktober die Surfer auf den See, nachdem für den Surfsport die notwendigen organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden waren. Bei der Organisation der Surfnutzung war zu bedenken, dass noch für etwa fünf Jahre das Baggerschiff „Sythen“ der Quarzwerke die restlichen Mineralreserven aus dem Silbersee II fördern wird. Damit sich Surfer und Gewinnungsbetrieb nicht in die Quere kommen, wurden das Baggerschiff und seine Nebeneinrichtungen (wie z.B. Stahltrossen) durch gut sichtbare Markierungen kenntlich gemacht. Außerdem wurde eine Surfordnung erstellt, die regelt, wo gefahrlos gesurft werden kann und welche Sicherheitsabstände einzuhalten sind. Surfen darf nur, wer jede Saison an einer Sicherheitsunterweisung teilgenommen hat. Wenn nächste Saison ein Gastronomiebetrieb in einem neuen zweistöckigen Gebäude am See eröffnet, ist das  Beispiel für ein gelungenes „Public Private Partnership“ komplett. Um es mit den Rodgau Monotones zu sagen: „St. Tropez bei uns am Baggersee. Wir brauchen keinen Club Mediterranée; wir ham´ doch unsern guten alten DLRG; St. Tropez am Baggersee!“
Suche